Erlebnisse und Rezepte binationaler Familien

Gastbeitrag: Andere Länder, andere (Hochzeits-)Sitten, Teil 2

Die Zeremonie

Als wir das togolesische Standesamt betraten verstand ich was mein Mann meinte mit: „Alle müssen da sein!“. Der Raum war voller Menschen. Es warteten nämlich neben uns noch vier weitere Brautpaare darauf getraut zu werden. Aufgrund der Anzahl an Trauungen hatte man sich entschieden eine zeitsparende Massenhochzeitsvariante durchzuführen. Zum Glück waren wir das letzte Paar und wurden nur mit unseren Freunden und Familie getraut. Die Trauung an sich war wahrscheinlich wie in deutschen Ämtern eher ein offizieller Akt als die romantische Ansprache an das Leben zu zweit mit immer fortwährender Liebe. Eine Besonderheit gibt es in Togo dann doch. Der Bräutigam, und nur dieser (!) wird gefragt, ob er die Ehe monogam oder polygam führen möchte. Die Braut hat die Entscheidung zu akzeptieren. Einer dieser zukünftigen Göttergatten vor uns entschied sich dann auch für die Polygamie. Der ‚Sie können Ihre Braut nun küssen‘ Kuss war weniger innig. Mir hatte der togoische Botschafter im Vorfeld bereits mitgeteilt, dass ich darauf achten sollte, dass mein Mann sich für die Monogamie entscheidet, denn sonst wird die Ehe in Deutschland nicht anerkannt. Die Vorgabe war also deutlich.

Das togolesische Standesamt

Wir waren alle guter Stimmung bis wir realisierten, dass alle Brautpaare Ringe vor dem Beamten auf den Tisch legten. Ich hatte mich extra erkundigt. In Deutschland ist es keine Pflicht Ringe zu tragen. Das sah man in Togo anscheinend anders. Nach einem kurzen hysterischen Lachen fragten wir Freunde und Familie, wer denn noch einen Ring bei sich trug. Ich hatte meinen Verlobungsring, der musste für mich herhalten. Aber nun fehlte noch der Ring für meinen Mann. Keiner seiner Freunde und Brüder hatte einen Ring. Nur meine Schwester – hatte – einen – Modeschmuckring- mit-einer-goldenen-Schlange. Extrem hysterischer Lachanfall. Als wir an der Reihe waren legten wir die Ringe auf den Tisch und der Beamte wäre fast aufgestanden, denn er fühlte sich durch uns beleidigt. Als mein Mann ihm erklärte, dass wir einfach noch keine Zeit hatten, um gemeinsam Ringe auszusuchen, wir dies aber in Deutschland nachholen würden, war er einverstanden aber immer noch missmutig.

Der Notfall-Ehering

Der Beamte ratterte Informationen runter und kam dann zur alles entscheidenden Frage, die mein Mann dann auch mit Monogamie beantworte – der Glückspilz. Ich unterschrieb ein Dokument, was ich nicht im Geringsten verstand und schon war alles beendet. Wir traten auf den Hof und der Beamte rief uns noch hinterher, er kommt gleich für das Foto. Aha, ich wäre ja nicht im Traum draufgekommen, ihn auf meinem Foto haben zu wollen, aber na gut. Und nun steht er auf dem Foto, steif mit Schärpe und ich werde diesen Tag nie vergessen, denn mein Mann, meine Schwester und ich haben so unglaublich viel gelacht.

Vor dem Standesamt

Danach quetschten wir uns wieder ins Auto und fuhren zur Strand-Location. Die Stühle farblich abgestimmt, die Deko auf dem Tisch gefiel uns immer noch und es gab Essen und gekühlte Getränke. Die Musik spielte auf, alle Gäste waren fröhlich. Wir hörten das Meer rauschen, schaukelten barfuß unter den Palmen und genossen die frische Meeresbrise. Dass irgendwann der Strom ausfiel, war egal. Wir fuhren einfach das Auto näher heran, schalteten das Autoradio und die Scheinwerfer ein und feierten weiter. Mitternacht gab es ein kleines Feuerwerk und wir starteten das Jahr 2010 als Mann und Frau.

Nachtrag: Die offizielle Anerkennung unserer in Togo geschlossenen Ehe in Deutschland dauerte ca. 8 Monate. Das Aufwendigste an dem Prozess waren die Übersetzungen und offiziellen Beurkundungen.

© verfasst von A.P. – Mitgründerin von Makito-Box (Mama-Kind-Togo)

binationale Ehe, Ehering, Hochzeit, Hochzeitsvorbereitungen, monogam, polygam, typisch Afrika

Comments (6)

    • Freut mich, wenn dich den Artikel unterhalten hat. Aber nicht vergessen: Das ist eine wahre Geschichte! Und auch wenn es schon ein paar Jahre zurückliegt, sind die Unterschiede zwischen hier und dort immer noch immens.

      • Hallo Jasmin, sicher kann die Frau das zwar äußern, dass ihr die Wahl ihres Mannes nicht gefällt, die Frage ist allerdings in wie weit sie tatsächlich ein Mitspracherecht hat. In einem Land wie Togo sind die Frauen eben doch oft darauf angewiesen einen Ehemann zu haben, der sie versorgt.

  • Christel, wir haben auch die ganze Zeit nur gelacht. Ich denke heute noch sehr gern daran zurück. Mein persönliches Highlight ist auch die Schwester meines Mannes, die sich abends während der Feier ihr Tuch im Sand ausbreitet, um etwas zu schlafen. Aber erstmal wurde noch schnell ein Bier gebunkert. Könnte ja alles leer sein, wenn sie wieder aufwacht. Unvergessen

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