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Gastbeitrag: Andere Länder, andere (Hochzeits-)Sitten, Teil 1

Die Vorbereitungen

Einer der schönsten Tage im Leben ist der eigene Hochzeitstag. Die meisten Frauen haben schon sehr früh eine konkrete Vorstellung davon entwickelt wie dieser aussehen sollte. Meist kommt ein weißes Kleid, eine herausragende Location und unglaublich viel Romantik darin vor. Die Vorbereitungen sind immer nervenaufreibend und für die Braut der absolute Horror. Wenn man aber so wie ich einen nicht EU-Ausländer heiraten möchte, der zudem aus einem Land mit einem sogenannten ‚unsicherem Urkundenwesen‘ kommt, dann überlegt man es sich im Vorfeld ganz genau, denn dies bedeutet weniger Romantik und sehr viele Behördengänge. Da wir beide dafür keine Zeit und auch keine Lust hatten, blieben uns zwei Möglichkeiten: entweder wir heiraten in Dänemark oder in Togo. Zu Dänemark hatten wir keine Beziehung und irgendwie fühlte es sich für uns nicht richtig an. Daher entschieden wir uns in Togo zu heiraten. Auch dafür benötigt man eine Menge Dokumente, wie zum Beispiel ein Gesundheitszeugnis der zukünftigen Braut etc. – auch alles notariell übersetzt. Aber wir sparten uns vorerst diese häufig herabwürdigenden Gänge zur Ausländerbehörde. Und so stand einer fröhlichen Hochzeit in Togo nichts entgegen.

Im Dezember 2009 flogen mein zukünftiger Mann, meine Schwester und ich nach Togo. Mein Mann war seit sechs Jahren nicht mehr in der Heimat gewesen und für meine Schwester und mich war es das erste Mal. Togo war also für uns alle irgendwie neu.

Das ist Togo

Während meine Schwester und ich die Zeit am Strand verbrachten und durch das Nachbarland Ghana reisten, musste sich mein Mann um die Formalitäten kümmern. Dass Togo früher einmal deutsche Kolonie war, konnte man am Verwaltungsaufwand gut erkennen. Wir wollten auch unbedingt noch in 2009 heiraten und hatten dafür ca. zwei Wochen Zeit. Unzählige Male musste mein Mann zu einem Amt, um dann zum anderen Amt geschickt zu werden. Einiges an Geld wechselte von seinen Händen in die Beamtenhände, sonst hätten wir wohl erst in 2012 heiraten können. Irgendwann kam mein Mann dann nach Hause und meinte, wir werden sehr wahrscheinlich in drei Tagen, am 31.12.2009 heiraten. Aber sicher war noch nichts. Na gut, meine Schwester und ich hatten bei den Strandspaziergängen eine kleine Anlage für Feste entdeckt, die der erträumten außergewöhnlichen Location am nächsten kam. Direkt am Strand, weißer Sand, mit Palmenblättern bezogene pittoreske offene Hütten gesäumt von Palmen mit Meeresrauschen. Ja, da wollte ich feiern. Wir buchten mal mit fröhlichem Optimismus.

Die Location für die Hochzeitsfeier

Am 30.12 fragte ich dann nochmal bei meinem Mann nach, ob wir denn morgen heiraten würden und leider stand noch nichts fest: TIA – das heißt: This is Africa. Getreu unserem Motto ‚Calm down and drink a lemongrass-tea‘ starteten wir den letzten Tag des Jahres und den letzten Tag als Ledige so wie jeden Tag mit einem frittierten Rührei und Zitronengrastee. Mein Mann war schon wieder auf geheimer Mission. Gegen Mittag kam er zurück und meinte, wir heiraten heute 16 Uhr! Ok, wir hatten ja noch vier Stunden für alle Vorbereitungen. Meine Schwester und ich gingen zur Location und sagten Bescheid, dass wir heute tatsächlich heiraten und der Besitzer doch bitte Tische und Stühle bereitstellen möge. Meine Schwägerinnen hatten sich angeboten die Deko zu machen, die IMMER aus sehr vielen Luftballons besteht . Da dieses nicht ganz meinen Vorstellungen einer Hochzeits-Deko entsprach, gingen meine Schwester und ich an den Strand, sammelten Muscheln, Disteln sowie Kokosnüsse und verwandelten diese in eine Vintage-Tischdeko. Ein Mann kam vorbei und fragte, weshalb wir denn diesen Müll auf den Tisch liegen haben. Upps. Als wir dann noch anfingen die unterschiedlich farbigen Plastikstühle nach Farbe zu sortieren, dachten wirklich alle, dass die zwei deutschen Mädels verrückt wären.

Unsere Tischdeko

Während meine Schwägerinnen das Essen vorbereiteten, wurden mir die Haare gemacht. Auch nach afrikanischen Vorstellungen. Und die beinhalten keine wallende Lockenmähne, sondern straff nach hinten gekämmte Hochsteckfrisuren. Ich hatte eine ganze Dose Haarspray auf dem Kopf, aber es verrutschte bei der rasanten Autofahrt später wirklich nichts. Die Frisur saß auch ohne 3-Wetter-Taft.

So gegen 15 Uhr kam dann auch der Zukünftige zurück und meinte, wir müssen jetzt los, denn wir könnten nicht heiraten, wenn alle anderen fertig sind und wir zu spät seien. Ich verstand nichts von dem, was er sagte. Zumindest zu diesem Zeitpunkt. Also quetschten sich sieben Erwachsene in einen Toyota Corolla und fuhren richtig Standesamt.

© verfasst von A.P. – Mitgründerin von Makito-Box (Mama-Kind-Togo)

Afrika, binationale Ehe, Hochzeit, Hochzeitsvorbereitungen, Nicht-EU-Ausländer, Papierkram, Togo, unsicheres Urkundenwesen

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