Erlebnisse und Rezepte binationaler Familien

  • Binationale Kinder
    Multikulti ist bereits Realität
4 Sprachen, 3 Länder

Gastbeitrag: Vier Sprachen, drei Länder, eine Familie

Über eine Nachbarschafts-App war ich auf der Suche nach binationalen Paaren und Familien in der Umgebung, die Lust haben ihre Geschichte zu erzählen. Als ich einige Tage später eine Mail mit dem Betreff: „Cevapcici meets Bacalhau“ erhielt, war mir klar, dass Liliana und ich uns verstehen würden.

Und das ist ihre Geschichte: Liliana kommt aus Portugal. Durch ihre Arbeit war sie schon früh international aufgestellt und so hat es sie 2013 nach Aachen in Deutschland verschlagen. Hier hat sie hauptsächlich Englisch gesprochen, aber in der Freizeit auch ihre Deutschkenntnisse ausgebaut. Einige Zeit später lernte sie ihren Mann kennen, der aus Kroatien stammt und von seiner Firma immer wieder auf Projekte nach Deutschland entsendet wurde. Sie begannen auf Englisch miteinander zu kommunizieren, was für beide keine Muttersprache aber dennoch eine gute Basis für einen gemeinsamen Austausch darstellte.

Als sich bei den beiden vor wenigen Jahren Nachwuchs ankündigte, begannen sie noch einmal ihre „Sprach-Situation“ zu überdenken. Sowohl Liliana als auch ihr Mann wollten ihren Kindern ihre Muttersprachen mitgeben. Aber wie sollten sie das bewerkstelligen in einem Land, in dem Deutsch gesprochen wurde und sie untereinander Englisch? Tatsächlich einigten sie sich darauf, dass sie jeweils einen Volkshochschulkurs gelegten – Liliana in Kroatisch und ihr Mann in Portugiesisch. Das Ziel der beiden war, dass jeder zu Hause seine Muttersprache sprechen sollte und der andere zumindest im Ansatz verstand, worum es bei dem Gespräch ging. Diese Abmachung haben sie bis heute aufrecht gehalten und ihr jüngster Sohn reagiert auf Ansprache in beiden Sprachen. Ich kann nur sagen, dass ich dieses Vorgehen sehr bewundernswert finde, da es allen Seiten doch ein großes Maß an Disziplin abverlangt.

Auf meine Frage, was Liliana in Deutschland denn gut gefällt, kam sehr schnell der Punkt von ihr auf, dass sie es sehr schätzt, dass die Eltern hier verhältnismäßig lange bei ihrem Baby zu Hause bleiben können. Dieses sei in Portugal in dem Umfang nicht möglich. Ihre Freundinnen in der Heimat bleiben meist nur wenige Wochen beim Baby zu Hause und müssen dann wieder arbeiten.

Mein Fazit: In den meisten Fällen, die mir bekannt sind, sind Paare bei der gemeinsamen Sprache geblieben, in der sie sich kennengelernt haben. Es gibt aber offensichtlich auch Fälle (vor allem bei sprachbegabten Eltern), bei denen sich Paare und Familien noch einmal umentscheiden. Dieses erfordert Disziplin ermöglicht es aber den Kindern viel mehr von den verschiedenen Kulturen mitzubekommen und vor allem sich mit ihren jeweiligen Familien auszutauschen.

Außerdem habe ich im Gespräch mit Liliana festgestellt, dass unsere Gesetze in Deutschland hinsichtlich Eltern-/ Familien-Schutz und gar nicht so schlecht sind, wie es mir im Alltag oft vorkommt. Sicher geht vieles auch noch besser: vor allem dort, wo Teilzeit nicht als vollwertige Arbeit gewertet wird und verantwortungsvolle Projekte eher nicht in Hände von Müttern gegeben werden. Aber am stärksten ist mir folgende Erkenntnis gekommen: Bei allen Schwächen und Problemen, die sich in Verbindung mit der EU ergeben (keine Einigung in Flüchtlingsfragen, Impfstoff-Bestellungen etc.): Ohne ein vereintes und friedliches Europa wären solche Erfolgsgeschichten nicht möglich!

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